“Einen arischen Glanz von Kopf bis Fuß” versprach eine Werbekampagne der Unilever-Marke Vaseline indischen Frauen im vergangenen Jahr. Denn vier von fünf Inderinnen glauben, dass ihr Körper dunkler sei als ihr Gesicht. Das behauptet zumindest Vaseline und empfiehlt die Healthy White Body Milk zur Körperbleichung.
Jetzt sind die indischen Männer dran. Vaseline ködert sie mit einer Facebook-App. Damit lässt sich im Handumdrehen ein bleichgesichtiges Avatar erzeugen. Der Bollywood-Star Shahid Kapur macht es vor.
Wissenschaftler der Universitäten Northeastern und Harvard erforschen die Stimmung auf Twitter. Erste Ergebnisse wurden letzte Woche veröffentlicht. “Twitter ist eine riesige Fundgrube für unsere kollektive Geistesverfassung”, heißt es auf der Harvard-Website. “Der einzelne Tweet interessiert oft nur engere Freunde, aber zusammengenommen ergibt das Ganze mehr als die Summe der einzelnen Tweets.”
Der Filmproduzent Artur Brauner schreibt heute im Tagesspiegel über sein Erschrecken angesichts eines NS-Dokuments, auf das er bei Filmvorbereitungen gestoßen ist und das ihn nicht mehr ruhig schlafen lässt. “In diesem, einem der am grausamsten beschriebenen Informationen, datiert vom 5. Juni 1942, wird festgestellt, dass bisher 97.000 [Juden] ‘verarbeitet’ wurden und das mit drei Autos. Dann werden Vorschläge unterbreitet, wie weiter vorgegangen werden soll.”
Brauner berichtet weiter: “Die ‘Verarbeitung’ erfolgte in speziell für dieses Ziel präparierten Lastwagen, die die jüdischen Menschen aus dem Ghetto nach Chelmno, verdeutscht in Kulmhof, brachten. Der Weg dauerte ungefähr eine Stunde und startete in Radygast (polnisch Radogoszcz). Die Ladung bestand aus ausgewählten Ghetto-Insassen, hauptsächlich ältere Menschen und Kinder, da sie nicht genug Arbeit für das Deutsche Reich leisten konnten. Während der Fahrt wurde der Abgasschlauch in Richtung Ladefläche geleitet. Der Erstickungstod fand nach ungefähr 15 Minuten statt.”
Großartig. Seit zwei Wochen twittert der Account @Discographies das Oeuvre einzelner Bands und Musiker in 140 Zeichen. Berücksichtigt werden allerdings nur Studio-Alben. Wer sich eine Twitter-Diskografie seiner Lieblingsband wünscht, kann seinen Wunsch an @Discographies twittern.
Vor 40 Jahren erschien ein Buch des Medizin-Nobelpreisträgers François Jacob, dem Michel Foucault nachsagte, die „bemerkenswerteste Geschichte der Biologie, die je geschrieben wurde“, zu sein. Jacobs Die Logik des Lebenden war eine Geschichte der Vererbung, „die der Foucaultschen Archäologie des Wissens ein bis heute unübertroffenes Denkmal setzte“, wie der Wissenschaftshistoriker Hans-Jörg Rheinberger bemerkt hat. „Vielleicht die einzige Archäologie eines Wissens, die bisher geschrieben wurde.“
Dass ausgerechnet (nur) ein Naturwissenschaftler mit Foucault ernst gemacht hat, verwundert nicht, ist Foucaults Denken doch durch nichts mehr als den naturwissenschaftlichen Experimentalismus Canguilhems und Bachelards (und auch Nietzsches, der bereits „halb philosophisch, halb naturwissenschaftlich“ über Kant promovieren wollte) beeinflusst worden. Foucaults kurze Besprechung des Buches von François Jacob, unter der Überschrift Wachsen und Vermehren 1970 erschienen, liest sich da wie ein Schlüsseltext.
Ein Kurzfilm über das Kino. Sarah Biermann, Torsten Strer, Felix Meyer und Pascal Monaco haben 35 ihrer Lieblingsfilme aufs Symbolische reduziert und zu einer zweiminütigen Reise durch die Geschichte des Kinos animiert. Am Ende heißt es: Alle Filme erkannt?
In einer “künstlerischen Vogelperspektive” hat Isao Hashimoto “die Angst vor und den Wahnsinn von Atomwaffen” dokumentiert. Seine Arbeit findet sich auf der Website der CTBTO (Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty Organization), jener Organisation, die seit nunmehr 14 Jahren den Kernwaffenteststopp-Vertrag in Kraft setzen soll. Dazu muss der Vertrag von allen 44 Kerntechnik-Staaten ratifiziert werden, was Ägypten, China, Indonesien, Iran, Israel und die USA bisher nicht getan haben. Indien, Pakistan und Nordkorea haben noch nicht einmal unterschrieben.
„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frisst auch die Erkenntnis an, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben.“ Adorno würde sich im Grabe umdrehen, wenn er das Video der australisch-jüdischen Künstlerin Jane Korman sehen würde. Darin tanzen Korman, ihre drei Kinder sowie ihr 89-jähriger Vater, der Auschwitz überlebte, zur Melodie “I will survive” von Gloria Gaynor in der heutigen KZ-Gedenkstätte.
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