Ungleiche Lebens- und Arbeitsbedingungen spiegeln sich in regionalen Unterschieden der Lebenserwartung wider. Demografische Veränderungen finden vor Ort statt und nicht in den Bundesstatistiken.
Die bundesweit höchste Lebenserwartung haben die Bewohner Baden-Württembergs. Männer werden dort mit 77,6 Jahren fast eineinhalb Jahre, Frauen mit 82,7 Jahren knapp ein Jahr älter als der Durchschnitt der Republik. Am kürzesten leben Frauen im Saarland, Männer in Mecklenburg-Vorpommern. Sie sterben zwei bzw. dreieinhalb Jahre früher als in Baden-Württemberg.
In den westdeutschen Ländern haben die alten Industrieregionen an Ruhr und Saar besonders niedrige Lebenserwartungen. Grund dafür ist die unterschiedliche Entwicklung der Krankheitshäufigkeiten, die ihre Ursache wiederum in den schwierigeren Lebens- und Arbeitsverhältnissen haben.
So sank die Krankheitshäufigkeit in Baden-Württemberg zwischen 1980 und 2000 um 7,3 Prozent, im Saarland aber nur um 2,5 Prozent. Inzwischen haben die Saarländer ein doppelt so großes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden wie Baden-Württemberger.
Der Süden mit Baden-Württemberg und dem bayerischen Voralpenland hat aber nicht nur höhere Lebenserwartungen. Die Lebenserwartung steigt hier auch schneller. Und das heißt: Die Abstände zwischen den Ländern in der Lebenserwartung nehmen zu.
Zum Zeitpunkt der Einigung hatten Ostdeutsche eine deutlich kürzere Lebenserwartung als Westdeutsche. Für die Frauen hat sich diese Lücke mittlerweile weitgehend geschlossen, für die Männer auf ein knappes Jahr verringert.
Doch gibt es im Aufholprozess der neuen Länder ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Im dünn besiedelten Nordosten steigt die Lebenserwartung sehr viel langsamer und liegt mit 74 Jahren für Männer und 81 Jahren für Frauen unter dem Durchschnitt für alle ostdeutschen Länder. In Sachsen werden Männer eineinhalb Jahre und Frauen ein Jahr älter als in Mecklenburg-Vorpommern.
Je kleiner die betrachtete Regionsgröße, desto größer die regionalen Unterschiede in der Lebenserwartung. Nach aktuellen Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) beträgt der Unterschied auf Länderebene 3,8 (Männer) bzw. 1,9 Jahre (Frauen), auf Regionsebene bereits 5,1 bzw. 2,5 Jahre, und auf Kreisebene gar 8,6 bzw. 6,9 Jahre.
Die höchste Lebenserwartung haben Männer und Frauen im Kreis Tübingen mit 79,6 bzw. 83,6 Jahren. Dagegen sterben Frauen im rheinland-pfälzischen Pirmasens mit im Durchschnitt 76,7 Jahren besonders früh. Das statistisch kürzeste Männerleben wird im sächsischen Hoyerswerda gelebt. Es dauert im Mittel nur 71 Jahre – 3.141 Tage kürzer als in Tübingen.
In den Städten und Gemeinden ist die durchschnittliche Lebenserwartung zudem abhängig von der Wohnlage. Wer zum Beispiel im Bremer Stadtteil Gröpelingen geboren wird, hat durchschnittlich fünfeinhalb Jahre weniger zu leben als ein Schwachhauser, so eine Untersuchung des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin.
In Ortsteilen mit besonderen sozialen Problemen ist die Sterblichkeit wesentlich höher als in den besser gestellten Vierteln. So auch im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, dem Bezirk mit der berlinweit ungünstigsten Sozialstruktur. Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit leben Frauen in Kreuzberg 2,6 Jahre kürzer als im benachbarten Bezirk Treptow-Köpenick. Männer sterben in Kreuzberg im Durchschnitt mit 73,8 Jahren, dreieinhalb Jahre früher als in Steglitz-Zehlendorf.
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