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Digitaler Hass

Im April 1995 ging die erste extremistische Website online. Gegenwärtig beobachtet das Simon Wiesenthal Zentrum Projekt “Digitaler Hass und Terrorismus”  bereits rund 10.000 “problematische” Websites, Hass-Spiele und extremistische Internetgruppen. Hass-Kampagnen richten sich gegen Juden, Katholiken, Moslems, Hindus, Homosexuelle, Frauen und Immigranten.

Nun hat das Simon Wiesenthal Zentrum einen Bericht veröffentlicht (ABC News Video), der die Aktivitäten verschiedener Hass-Gruppen in Online-Netzwerken dokumentiert.

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PDF-Download des Berichts 8,9 MB

Der digitale Hass nimmt besonders auf Facebook und Youtube zu. Allein auf Facebook stieg die Zahl extremistischer Postings innerhalb eines Jahres um 30 Prozent an. Einige der Hassgruppen auf Facebook haben mehrere Tausend Freunde.

Die Gruppen heißen “Stormfront”, “National Socialist Life”, “Libertarian National Social Movement” oder “Aryan Guard”. Hamas, Hezbollah und Taliban haben mehrere Fanseiten. Hinzu kommen eine Reihe von anti-israelischen Gruppen.

Die größte anti-israelische Gruppe auf Facebook ist “F–K Israel And Their Holocaust Bulls–t”. Diese Gruppe schreibt im Vorstellungstext: “ZIONISTS ARE THE WORLDS WORST SCUM EVER. THEY ARE THE LOWEST OF THE LOW, AND THE STUPIDEST PEOPLE TO WALK THE FACE OF THIS EARTH – THEY ARE DEMONS. CREATURES OF THE DEVIL.”

Facebook will mit dem Simon Wiesenthal Zentrum zusammenarbeiten. In einer Erklärung vom Dienstag heißt es, man habe einige der Gruppen bereits geschlossen, über die das Simon Wiesenthal Zentrum während der Recherche zur Dokumentation informiert habe.

Kontroverse um Holocaust-Leugnung auf Facebook

In den vergangen Wochen hatten Nutzer und Werbekunden gegen Gruppen auf Facebook protestiert, die den Holocaust leugnen. Es entbrannte eine heftige Debatte um den Umgang mit Gruppen wie “Holocaust is a Myth”, “Holocaust Denial & Anti-Zionism” oder “Holocaust: A Series of Lies”.

Am Sonntag schrieb Brian Cuban einen offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg:

The Holocaust Denial movement is nothing more than a pretext to allow the preaching of hatred against Jews and to recruit other like minded individuals to do the same. Allowing these groups to flourish on Facebook under the guise of “open discussion” does nothing more than help spread their message of hate. Is this the kind of open discussion that Facebook wants to encourage? Is this really where you want to draw your line?

Auch Michael Arrington vom TechnoCrunch-Blog griff Facebook scharf an. “Jews Haters Welcome At Facebook” überschrieb er sein Posting vom Sonntag. Facebook-Sprecher Barry Schnitt kommentierte gegenüber ABC-News: “Holocaustleugnung verstößt nicht gegen die Nutzungsbedingungen von Facebook.”

In den Nutzungsbedingungen von Facebook sind Gruppen verboten, die die Rechte anderer Personen verletzen oder gegen Gesetze verstoßen. Die Holocaustleugnung steht derzeit aber nur in Israel und zwölf europäischen Ländern unter Strafe (für Nutzer mit IP-Adressen aus diesen Ländern seien die Seiten auch nicht erreichbar, behauptet Facebook). Argentinien bereitet ein entsprechendes Gesetz zurzeit vor, nachdem der Bischof der Piusbrüderschaft und Holocaustleugner Richard Williamson dort Zuflucht gesucht hatte.

Merkwürdiger Weise hält Facebook die Fotos entblößter Brüste von stillenden Müttern, anders als die Leugung des Holocaust, für einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen. Arrington findet das aberwitzig und postete im TechnoCrunch-Blog am Dienstag: “Facebook Remains Stubbornly Proud Of Position On Holocaust Denial“.

Sure, we can’t shut down the dark places on the Internet where people are free to hate Jews and post pictures of breast feeding mothers. But Facebook can take a stand and say it won’t happen in their back yard. Holocaust denial is hate speech, and it cannot be given a place to take root. This isn’t a slippery slope, Facebook. It’s evil. Pure evil. Don’t plant a flag on the wrong side of the line.

Facebook löschte am gleichen Tag, nach Beschwerden eines US-Anwalts, zwei Nutzergruppen: “Holocaust is a Holohoax” und “Based on the facts … there was no Holocaust”. Letztere Gruppe hatte einen Cartoon auf ihre Seite gestellt, der Hitler im Bett mit Anne Frank zeigt.

Damit ist das Problem natürlich nicht gelöst. “Die Zusammensetzung von Online-Netzwerken ist weitgehend ein Spiegel der realen Welt,” schreibt Maik Söhler in der Netzzeitung heute:

Man kommt in der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Alt- und Neonazis kaum weiter, indem man ihre Profile auf Facebook löscht. Jenseits des Internet sind sie immer noch da und verbreiten ihre Inhumanität in Wort und Tat. Dennoch: Bei allen Netzwerken kann man solche Profile melden und den Betreiber zum Löschen auffordern. Wenn es auch nur dafür gut ist, dass man ihnen zumindest online nicht mehr so häufig über den Weg läuft.

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