Unter dem Titel Stimmenfang mit dem Grundeinkommen hatte ich vor zehn Tagen einige Recherchen zur D4U-Partei zusammengetragen. “Deutschland for You” tritt nach eigenen Angaben für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Gestern habe ich einen Kommentar von Herrn Sören Gelder zu meinem Artikel erhalten.
Ich möchte dazu Stellung nehmen. Bis vor wenigen Tagen wollte Sören Gelder selber eine Partei gründen, die mit dem Grundeinkommen auf Stimmenfang gehen sollte. Die durch die erfolgreiche Online-Petition von Susanne Wiest losgetretene Diskussion hat eine Reihe von Trittbrettfahrern auf den Plan gerufen. Deren Werbesprüche verkehren aber die Idee des Grundeinkommens und liefern sie den Soziale-Hängematte-Argumenten aus.
Soeren Gelder schrieb am 20. Mai um 19:27 Uhr:
Ich unterstuetze die D4U, da sie modern ist und mit der Zeit geht. Irgendwann wird sie eine grosse Partei sein. Und das Wachstum der Mitglieder sprechen fuer sich. Die Mitgliederzahl waechst rapide, was sich am 27.09. dann mit Sicherheit auch sehr gut auf das Wahlergebnis auswirken wird. Wer den Fortschritt will und erkannt hat, dass es Zeit ist, das Grundeinkommen bedingungslos einzufuehren, der waehlt am 27.09.2009 http://www.D4U-Partei.de.tf Frdl. Gruesse!! Soeren Gelder
Hier nun meine Antwort:
Sehr geehrter Herr Gelder,
natürlich steht es Ihnen frei, die D4U-Partei, die sich am Samstag in Kassel gründen will, zu unterstützen. Ich habe in meinem Blog-Eintrag lediglich einige Fakten zusammengetragen.
Vorneweg eine Feststellung zum “rasanten Wachstum” der Mitgliederzahl: In den letzten zehn Tagen hat D4U nach Angaben auf der D4U-Website genau 54 “Gratis-Mitglieder” hinzugewonnen. Der Zähler steht jetzt auf 1.533.
Bei Ihrem Engagement für ein bedingungsloses Grundeinkommen ergeben sich für mich einige Widersprüche.
Auf Twitter bezeichnen Sie sich als “erfolgreichen Entrepreneur, Autor, @gelderpartei Inhaber, CEO von http://soerengelder.50webs.com (hilft Ihrem Geschaeft zu hohen Profiten), Weltenbewohner”. In ihrem XING-Profil bieten Sie “Heimarbeitsangebote, Ebooks (Bsp: Zu twitter) und Software auf meiner Seite http://www.Gelder.net.tf” an.
Auf letzterer Website geben Sie mehrere Kontaktadressen in Bern, Berlin, Miami Beach, Bangkok und Rio de Janeiro an. Am 14. Mai twitterten Sie aus Bangkok. Ihr Kommentar auf meinen Eintrag gestern kam laut IP-Adresse aus Rio de Janeiro.
Im Zusammenhang mit Ihrem Eintreten für das soziale Anliegen eines bedingungslosen Grundeinkommens werben Sie auf Twitter für Ihr 29-Seiten-E-Book “Wie Sie twitter als Profitmachine nutzen”. Zu diesem Buch gibt es eine Website: http://gelder.50webs.com/TwitterInhaltsverzeichnis.html.
Unter http://www.ihrebook.de und http://www.gelder.net.tf bieten Sie weitere Bücher an. Zum Beispiel “Wie Sie immer im Casino gewinnen. Ein Gratis Verdienstangebot”, “Wie SIE sehr reich in Rente gehen”, “Wie Sie innerhalb von nur 4 Wochen alle Ihre Traeume erfuellen”, “Wie Sie ohne Diaet abnehmen” oder “Wie Sie Frauen erfolgreich ansprechen. Verdoppeln Sie Ihre Datings”.
Auf Twitter versprechen Sie außerdem für kommenden Montag: “Am 25.05.2009 plaudere ich, Soeren Gelder, es aus, was Facebook zur Mio$/Monat Firma macht und fuer Ihr Geschaeft zu 10000% Wachstum fuehrt.” Auch dazu gibt es eine Website: http://soerengelder.50webs.com, zudem Videos auf Ihrem Youtube-Kanal.
Es gibt noch einige andere “Spar- und Gratisangebote” sowie dubiose Geschäftsmodelle von Ihnen im Internet. So versuchten Sie sich vor zwei Jahren unter www.CopaModel.com als Videoproduzent. Unter PassportToWealth.net.tf ging es um ein System automatischer Geldvermehrung. Nachzulesen in Ihrem mit “Yves” unterschriebenen Artikel auf http://www.articlesbase.com/authors/soeren-gelder/31056.htm.
In dem Artikel heißt es: “Do you know that 95% of the people in the western world (Europe, USA, Canada) spend their time to work for other people and make them rich instead themselfs?”
Eben darum geht es bei allen Ihren Aktivitäten: Sie versprechen den Leuten, ohne Arbeit in kurzer Zeit viel Geld zu machen. Und in diesem Zusammenhang taucht bei Ihnen nun die Forderung nach einem Grundeinkommen auf.
Ich halte das für einen billigen Taschenspielertrick. So wie Sie auf Twitter auch suggerieren, “dass der US Praesident interessiert ist an Soeren Gelders News”, wie es unter dem Titel “Barack Obama follot nun Soeren Gelder bei twitter” in einer Ihrer Pressemeldungen heißt. Das ist natürlich lächerlich. Der Obama-Account folgt 776.000 Twitterern.
Bei der Idee des Grundeinkommens, wie auch immer konzipiert, geht es um eine sozial gerechtere Form der Arbeitsorganisation und keineswegs um ein Leben ohne Arbeit. Sie versuchen hingegen ganz im Sinn Ihrer sonstigen Geschäftspraktiken, mit dem Begriff des Grundeinkommens eine Art Schlaraffenland wundersamer Geldvermehrung zu suggerieren. Das Grundeinkommen wird zur Masche.
Bemerkenswert finde ich es, dass Sie in einer Pressemeldung vor fünf Tagen noch angekündigt haben, dass Sie eine “neue Grundeinkommen Partei – GDP – Gelder Partei Deutschland” gründen würden. Darin berufen Sie sich auf die Online-Petition von “Frau Wiess” (die in Wirklichkeit “Wiest” heißt). In der Pressemeldung bekennen Sie am Ende: “Gelder symapthisiert ebenso mit der neuen Partei D4U”.
Die Website http://www.gelderpartei.de.tf/ ging am 14. Mai an den Start. Auf Twitter richteten Sie bereits am 5. Mai einen Account für die “Gelderpartei” ein, auf dem es nun heißt: “Ich ueberlasse die Politik des Grundeinkommens dieser Partei: http://www.D4U-Partei.de.tf Waehlen Sie sie!” Offensichtlich haben Sie sich erst in den letzten fünf Tagen gegen eine eigene Parteigründung entschieden.
Zwischen Ihrem Engagement und dem Vorgehen der D4U-Partei sehe ich auffällige Parallelen. Bis hin zur Schreibweise der Umlaute als ue, ae und oe, den Mängeln in der Rechtschreibung und den kostenlos-seltsamen de.tf-Domains. Hinter D4U steht ein Mann mit zweifelhaften Geschäftsmethoden ähnlich den Ihren. Ebenfalls mit verschiedenen Adressen im Ausland.
Ihr Kommentar hat meine Skepsis gegenüber der D4U-Partei und den Eindruck unseriöser Geschäftemacherei noch verstärkt. Ich hoffe, dass vielen D4U-Mitgliedern spätestens auf der Kaffeefahrt nach Kassel ein Licht aufgehen wird und sie ihr demokratisches Stimmrecht nicht so billig verkaufen.
Mit freundlichen Grüßen
Jörg Marx
Update vom 25. Mai 2009.
Nachdem die D4U-Partei in ihrem Parteiprogramm ihr rechtsextremes wahres Gesicht gezeigt hat, distanzierte sich Sören Gelder gestern von der Partei. Er will nach diesem 14-tägigen Ausflug zur D4U-Partei seine Gelder-Partei wiederbeleben. Dazu habe ich gepostet.
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Hallo Jörg,
chapeau! Wunderbare Recherche und Abwatsche. Danke für die Informationen!
lol!!!
Danke Dir Jörg,
dass Du noch einmal nachlegst und mit Deiner Recherche die seltsamen Praktiken rund um Gelder und D4U verdichtet in einen Artikel fasst.
Die Idee des Grundeinkommens ist viel zu wichtig und stark, als dass Herren a la Gelder sie entscheidend aus der Bahn werfen können oder aufhalten. Trotzdem muss man derartiges Gebaren immer wieder in die Schranken verweisen.
Herzlich,
Ben
Herr Gelder macht seinem Namen alle Ehre, ohne Arbeit will er über unterschiedliche Quellen Gelder einziehen. Mehr ist da nicht dahinter.
So auch einige andere Possenreißer, die sich mit Gründungen zu Parteien überschlagen, um ein Grundeinkommen instrumentalisiert zu nutzen.
Es ist eine Idee von Bürgern getragen!
Diese Idee wird von den Bürgern gelebt werden!
Danke für Deinen Block hier!
Super Recherche!