Über Sinn und Unsinn persönlicher Twitterstatistiken kann man streiten. Ich tendiere zu Unsinn, habe aber trotzdem mal 15 Dienste ausprobiert, die Metriken für den Twitter-Account versprechen:
TweetStats, TwitGraph, Xefer, TweetEffect, Tweetwasters, Twitalyzer, TwitterScore,TwitterCounter, Klout, Twitterholic, Twitter Grader, TwitCharts.de, TwitRank, Tweepular und The Whuffie Bank.
1. TweetStats
TweetStats analysiert das Twitterverhalten an Hand der Tweets nach Zeit (Monat, Wochentag, Tageszeit, Stunde), nach dem Anteil der Replys (gezählt werden aber nur ‘echte’ Replys ohne Punkt vor dem @ – bei mir sind’s dann 15,82%) und Retweets (bei mir 19,86%) und nach benutztem Interface. Zudem erstellt TweetStats Wordclouds der Tweets und Hashtags. Eine Registrierung ist nicht erforderlich.
Das ergibt hübsche Grafiken. Aha-Erlebnisse dürften aber nur jene haben, die ständig in geistiger Umnachtung twittern. Und natürlich die Chefs von Angestellten.
2. TwitGraph
Wer gar Probleme mit seinem Kurzzeitgedächtnis hat und darüberhinaus noch Tortendiagramme liebt, dem sei TwitGraph empfohlen. TwitGraph zeigt in Tortendiagrammen die Top 5 der Replys, Words und Links der Einträge der letzten 24 Stunden an und zusätzlich die beim Twittern verwendeten Interfaces. Als Bonbon werden die letzten 5 getwitterten Links als Liste ausgegeben. Mir ist es ein Rätsel, wer das braucht.
3. Xefer
Ähnlich wie TwitterStats zeigt ein Tool auf Xefer.com an, zu welcher Tageszeit an welchem Tag ein Twitterer die meisten Tweets absetzt, das aber sympathisch farblos und auch informativer. Xefer hat die Graphen mit Google Charts erstellt und via Yahoo Pipes mit Twitter verbunden. Bei mir hat das zu der überraschenden Erkenntnis geführt, dass ich Sonntag Nachmittag um vier noch nie getwittert habe.
4. TweetEffect
TweetEffect will angeblich den Erfolg einzelner Tweets an Hand verlorener bzw. hinzugewonnener Follower messen. Das ist schon eine abenteuerliche Annahme, dass ein einzelner Tweet über Verfolgen oder Entfolgen entscheidet. Ich zumindest habe wegen eines einzelnen Tweets noch niemanden entfolgt.
TweetEffect will mir denn auch weismachen, dass ich durch einen einzigen Tweet bis zu 32 Follower verloren hätte. Seltsamer Weise gewinne ich durch den darauf folgenden Tweet dann immer wieder die verlorenen Follower zurück. Bei den letzten 200 Tweets hätte ich 474 Follower verloren und 478 Follower hinzugewonnen, sagt TweetEffect. Was immer TweetEffect da beobachtet, meine Follower sind es nicht.
5. Tweetwasters
Tweetwasters errechnet die Zeit, die man bereits mit dem Schreiben von Tweets verschwendet hat, in meinem Fall 157.650 Sekunden oder 43,79 Stunden. Zum gleichen Ergebnis kommt man allerdings auch, wenn man die Anzahl der Tweets mit 30 Sekunden multipliziert.
Es gibt auch ein ‘Hall of Fame’ genanntes Ranking der Tweetwasters, das von den Japanern angeführt wird. Zurzeit belegt 春日歩 Platz 1 mit 2004,68 Stunden oder 83,53 Tagen. Das entspricht 240.593 Tweets. Ich komme mit meinen lausigen 5.255 Tweets mal gerade auf Platz 5.480. Ich weiß jetzt aber, dass viel twittern nicht unbedingt viel hilft: 春日歩 hat es mit seinem Marathontwittern auf gerade 1.504 (dafür aber nervenstarke) Follower gebracht.
6. Twitalyzer
Jetzt wird’s komplizierter. Mit Twitalyzer erfährt man, welchen Einfluss die eigene Twitterei auf Twitter hat. Meint zumindest Twitalyzer und berechnet fünf Metriken:
- Influence: berechnet aus Anzahl der Followers, Retweets, Generosity, Clout und Velocity
- Signal-to-noice-ratio: berechnet aus dem Verhältnis von Updates mit Signal (Referenzen (@), Links, Hashtags (#) und Retweets) zu Updates ohne Signal
- Generosity: Updates mit Retweets im Verhältnis zu Updates ohne Retweets
- Velocity: Anzahl der Updates in den vergangenen 7 Tagen
- Clout: Wahrscheinlichkeit, dass andere User auf einen referenzieren (Anzahl Referenzen/alle Referenzierungsmöglichkeiten bei Twitter)
Das sieht bei mir dann so aus:
Weil ich damit nichts anfangen kann, habe ich einen Vergleich mit dem eindeutig einflussreicheren @klauseck und @saschalobo gewagt:
- @klauseck: Influence 11,5; Signal 98; Generosity 12,0; Velocity 6,7; Clout 21,9
- @saschalobo: Influence 21,8; Signal 41,4; Generosity 0,0; Velocity 3,9; Clout 40,5
Damit bin ich zwar immer noch nicht schlauer. Es scheint aber so zu sein, dass die Anzahl der Followers (@klauseck 7.397; @saschalobo 20.838) die entscheidende Größe für Influence ist. Das ist sicherlich nicht ganz falsch (aber sicherlich auch nicht ganz richtig). Dafür braucht man aber eigentlich keinen Twitalyzer.
7. TwitterScore
TwitterScore ist nicht so schön bunt, liefert aber auch eine Maßzahl für den Einfluss auf Twitter. In meinem Fall ist es die gleiche Zahl (6,7) wie beim Twitalyzer. Nur diesmal aus 10 statt aus 100, was irgendwie einen kleinen Unterschied macht. Den Score berechnet TwitterScore aus der Anzahl der Followers und ihrer Popularität (also ihrer Anzahl an Followers), der Anzahl der Tweets und “einiger anderer Dinge” (welche, bleibt im Dunkeln). Gerankt wird man auch. Mein Account auf Rang 11.269 von 85.433 Accounts, die TwitterScore derzeit beobachtet. Nett anzuschauen ist der Graph, der die Entwicklung der Zahl der Follower und Friends über die letzten 6 Monaten zeigt.
8. TwitterCounter
Auch TwitterCounter zeigt die Entwicklung der Followers als Kurve an, allerdings nur für die vergangenen 3 Monate. Dafür gibt es Entwicklungskurven auch für Freunde und Updates. Das Tool prognostiziert zudem die Zahl der Followers für den folgenden Tag und in einem Monat und rankt einen nach der Zahl der Followers, mich genau 40.179 Plätze hinter @aplusk.
9. Klout
Klout liefert die umfangreichsten Statistiken, erfordert aber eine Registrierung. In der Zusammenfassung bekommt man von Klout einen Score mit 4 Stellen (!) hinter dem Komma verpasst (bei mir 46,3929). Der Score errechnet sich aus Engagement (@Replys), Reichweite der Tweets auf Twitter, Velocity (Retweets), Demand (Anzahl der Followers und deren Anzahl an Followers), Network Strength (Einfluss der Twitterer, die einem antworten und einen retweeten) und Activity (zu wenige oder zu viele Tweets mit oder ohne Reaktion). Dann positioniert Klout einen entlang der Dimensionen Influence und Audience in einer 4-Felder-Matrix, wobei jedes Feld einem Twitter-Typ entspricht: Mich stuft Cloud als Persona ein.
Auf der folgenden Seite erscheinen Statistiken beispielsweise zum Verlauf des Klout-Scores, zur Reichweite oder zum Verhältnis von Verfolgern und Verfolgten (bei mir 1,49).
Die dann folgenden Seiten analysieren den Inhalt der Tweets der letzten 30 Tage: 42 Prozent meiner Tweets haben zum Beispiel einen Link enthalten. Zudem werden die potenziellen Reichweiten der Tweets berechnet: So erreichte eines meiner Tweets, ausgerechnet mit Katzencontent, möglicher Weise 5.475 Twitterer. Eine Weltkarte zeigt den Einfluss und die Einflussnahme nach Regionen: Ich werde am stärksten aus Berlin und Hamburg beeinflusst. Und schließlich wird der Einfluss der Followers auf einen angezeigt.
10. Twitterholic
Via Twitterholic lässt sich die Top 1.000 der Twitterati nach den Parametern Followers, Friends, Updates und dem Anmeldezeitpunkt auf Twitter sortieren (warum man das auch immer wissen will). Beim Ranking nach Updates vermisse ich übrigens 春日歩, der in der ‘Hall of Fame’ der Twitterwasters ganz oben steht. Bei Twitterholic würde er auf Platz 33 landen. Hier führt @Market_JP mit 1.560.818 Updates das Ranking an (und hat – alles klar! – 42 Followers).
Wer zum Fußvolk auf Twitter gehört, kann seinen Account von Twitterholic natürlich auch ranken lassen, wird dann ab und wann gecrawlt und auch getagged. Ich weiß nicht, warum und wie ich zu dem Tag #Studentenunterhaltung komme. Und auch mit den #Piraten habe ich nicht so viel am Hut. Immerhin, gegenüber dem TwitterCounter verbessere ich mich hier um gut 1.500 Plätze und lande im weltweiten Ranking nun plötzlich auf Rang 38.479.
11. Twitter Grader
Beim Twitter Grader falle ich dann – schwerer Rückschlag! – wieder auf Platz 66.264 zurück. Bei den vom Twitter Grader bisher knapp 5,5 Millionen gerankten Accounts liege ich damit immerhin im Bereich der oberen 1,2 Prozent, was mir einen Score von 98.8 einbringt (den ich mir auch auf’s Blog nageln kann). Der Algorithmus des Twitter Graders berücksichtigt die Zahl der Followers, deren Follower-Zahl, Zahl der Updates, den Zeitpunkt des letzten Updates, das Verhältnis von Verfolgern und Verfolgten sowie die Zahl der Retweets.
Twitter Grader zeigt zudem die Entwicklung von Folgern und Verfolgten der letzten zwei Monate als Graph an und gibt eine Zusammenfassung des Accounts. Demnach habe ich am 5. Dezember 2008 das erste Mal getwittert, was nicht stimmt. Es war der 9. Februar 2009.
12. TwitCharts.de
Die deutschen TwitCharts bieten keine Analysetools, sondern lediglich ein Ranking der zurzeit 2.668 angemeldeten deutschen Twitterer allein nach der Zahl der Followers. Eine Art Hitparade mit Vorwochen-Vergleich für verkappte Dieter-Thomas-Heck-Fans.
13. TwitRank
TwitRank bietet trotz des Namens kein Ranking, sondern wiederum einen Score (diesmal zwischen 1 und 10), der für den Einfluss auf Twitter stehen soll. Die Zahl der Followers soll bei der Berechnung des Scores keine entscheidende Rolle spielen. Zudem wird das Twitterverhalten kategorisiert. Als Ergebnis bekommt man dann einen Vogel gezeigt.
14. Tweepular
Tweepular ist ein Follower Management System ähnlich wie FriendOrFollow oder Refollow, gibt sich aber analytisch. Tweepular vergibt einen Score für die ‘Tweepularity’ der Twitterer, in meinem Fall 17,763. Wie dieser Score zustande kommt, bleibt ähnlich rätselhaft wie bei TwitRank.
15. The Whuffie Bank
Seit 15. September 2009 gibt es die Whuffie Bank, worüber die Karrierebibel vor einigen Tagen berichtet hat. Die Whuffie Bank setzt an Stelle des Scores eine Währung für die Twitter-Reputation: den Whuffie. Der durchschnittliche Reputationswert der knapp 4,5 Millionen von der Whuffie Bank verzeichneteten Twitter-Accounts liegt bei 50 Whuffies. Mein Reputationswert liegt im Augenblick bei 398 Whuffies (zum Vergleich nochmals @klauseck = 1.517 Whuffies; @saschalobo = 9.058 Whuffies).
Ein Whuffie errechnet sich vor allem aus den Retweets (die Zahl der Followers spielt erfreulicher Weise keine Rolle), wobei zum Beispiel ein retweeteter Link einen geringeren Reputationswert hat als eine retweetete Nachricht ohne Link. Die Whuffie Bank zeigt die Entwicklung des Reputationswerts als Graph an.
Fazit
Zahlensalat in Kombination mit bunten Grafikbildchen geben dem Twittern noch lange keinen Sinn. Die Motive, zu twittern sind so vielfältig wie die Motive, mit anderen Leuten zu reden. Und wer ein klares Ziel auf Twitter verfolgt (und auch da gibt es verschiedene Ziele), dem werden die vielen unklaren Zahlen nicht weiterhelfen. Denn was sagt eine hohe Zahl von Followers schon aus?
Den Rankings kommt höchstens Unterhaltungswert zu. Es gibt ja auch Leute, die Horoskope lesen. Wer denn nun aber hin und wieder etwas Orientierung fürs eigene Twittern sucht, der ist – meine Einschätzung nach diesem Testlauf – am besten mit Xefer (für das eigene Twitterverhalten), Klout (für die Analyse der Tweets) und Twitter Grader (für die Entwicklung der Zahl von Folgern und Verfolgern) bedient.
Verwandte Einträge



































[...] Erfolgreich twittern nach Zahlen? 15 Twitterstatistik-Dienste » schöne Übersicht #Twitter [...]