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Kunst trifft Social Media

"Ich male meine Follower"

Die Grafikerin Michaela von Aichberger hat nicht nur auf Twitter inzwischen Berühmtheit erlangt. Ihr Projekt  ‘Ich male meine Follower’ ging als dpa-Bericht in der vergangenen Woche durch die Medien.  Süddeutsche Zeitung, ZEIT und Focus berichteten. Das Frauenmagazin Brigitte schreibt über die Twitter-Kunst von Frauenfuss (so das Pseudonym, unter dem von Aichberger twittert und das weniger an Stöckelschuhe, sondern an Frauenfußball erinnern soll):

Es ist ganz egal, ob ‘Frauenfuss’ ihre Twitter-Bekannten schon mal persönlich gesehen hat. Die Bilder gestaltet sie so, wie sie sich die Porträtierten nach ihrer Selbstbeschreibung oder ihren Twitter-Nachrichten vorstellt – mit viel Phantasie und hübsch gezeichneten Details. Das hält sie in den kleinen Notizbüchern von Moleskine fest, deshalb nennt sie ihre Kunst ‘Twitter goes Moleskine’.

Häkelschwein

Als von Aichinger alias Frauenfuss am 8. Juli ihr erstes Moleskine-Porträt des Herrn Häkelschwein (dahinter verbirgt sich Michael Budde mit einer Website sehenswerter Häkelschweinereien) auf Twitter veröffentlichte, ahnte sie nicht, was da kommen sollte. In drei Monaten hat sie über 200 Porträts ihrer Twitter-Verfolger gezeichnet (wie – das sieht man hier), zu besichtigen im TwitPic-Stream, in einer Bildergalerie und demnächst auch in einer Ausstellung (ab 7.11. in Nürnberg, ab 12.12. in Köln, ab 26.2. in Hamburg).

Portraitpainted Matt Held

Was Frau ‘Frauenfuss’ nicht ahnte (zumindest bis heute): dass es seit Ende 2008 bereits ein ähnliches Projekt gibt. Der New Yorker Porträtkünstler Matt Held (auf Twitter hier) sucht sich innerhalb seiner Facebook-Gruppe I’ll have my Facebook portrait painted by Matt Held seine Motive: die Avatare der Mitglieder. Die New York Times und das Wired Magazine berichteten über das Projekt des 37-jährigen Künstlers, hierzulande der Focus.

Auch Held hat mittlerweile mehr als 200 Bilder seiner Facebook-’Freunde’ gemalt – allerdings in Öl und in Farbe (zu sehen auf Helds Website, auf Facebook und im Blog Portrait Painted):

Radar Nine – Matt Held Facebook Portraits

Die Ideen von Matt Held und Michaela von Aichberger mögen ähnlich sein. Doch es ist vielleicht kein Zufall, dass Held mit seinen farbigen Ölgemälden auf Facebook zuhause ist, von Aichberger mit ihren mit spitzem Stift ins Moleskine gezeichneteten Psychogrammen hingegen auf Twitter.

Die Moleskine-Kunst (durchaus mit Tradition und ab 30. Oktober auf MyDetour in Berlin zu bewundern) teilt den Purismus von Twitter. Und die Beschränkung auf 140 Zeichen fordert eher den ‘Blick des Flaneurs’. “Ich nehme fast nie Fotos als Vorlage, sondern muss oft meiner Fantasie freien Lauf lassen”, sagt von Aichberger. Wer weiß, vielleicht ist es irgendwann möglich, dass beide Künstler ihre Werke in einer gemeinsamen Ausstellung zeigen. Das wäre eine spannende Sache.

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