Ihr Arzt empfiehlt: “Reach for a Lucky and not for a sweet.” Die bizarre Kampagne von Lucky Strike in den Jahren 1928 bis 1932 wurde angeblich auch von 20.679 Ärzten unterstützt. Motto: “Sweets? No! Desserts? No! Eating between meals? No! Say ‘No’ and light a Luck instead.”
Im Flickr-Fotostream von clotho98 finden sich einige Motive der Kampagne, die sich vor allem an Frauen als neue Zielgruppe wandte. Weitere Beispiele für Zigarettenwerbung vergangener Jahre, in der Ärzte und auch Babies (“Gee, Dad, you always get the best of everything … even Marlboro!”) das Rauchen dringend empfahlen, zeigt eine Slide Show der New York Times.
Anmerkung: Die erste große Nichtraucherkampagne starteten die Nazis. Es ging um nichts weniger als die “Endlösung der Tabakfrage”. 1939 gelang es dem Kölner Mediziner und NSDAP-Mitglied Franz Hermann Müller erstmals, den kausalen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs durch detaillierte pathologische Fallstudien festzustellen und epidemiologisch zu untermauern. Fritz Lickint, trotz SPD-Vergangenheit wegen seiner Forschungen von Reichsgesundheitsführer Leonardo Conti protegiert, konnte zeigen, dass Tabakqualm auch Nichtraucher schädigt und prägte den Begriff des Passivrauchens. Am 1941 eröffneten Institut zur Erforschung der Tabakgefahren in Jena konnten Eberhard Schairer und Erich Schöniger diese Befunde bestätigen. Die NS-Forschungsergebnisse gerieten nach dem Krieg in Vergessenheit. So konnte der britische Epidemiologe Richard Doll den Zusammenhang von Tabakteer und Lungenkrebs 1950 neu entdecken und wurde dafür 1971 geadelt.
Dazu ein kurzer Uralt-Artikel von mir in der Berliner Zeitung. Später habe ich die Biopolitik der Nazis am Beispiel der Reproduktionsmedizin (speziell dem Streit um die physiologische Unfruchtbarkeit der Frau zwischen dem Berliner Anatom Hermann Stieve und dem Prager Gynäkologen Hermann Knaus) untersucht (im von Martin Stingelin herausgegebenen Sammelband ‘Biopolitik und Rassismus‘, 2003 im Suhrkamp-Verlag erschienen). “Biopolitik” ist keine Wortschöpfung Foucaults. Das Wort entstammt der Sprache der Nazis (was Foucault nicht wusste), die Nationalsozialismus als “angewandte Biologie” definierten.
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Ob das mit den Unterstützer-Ärzten stimmt würde ich mal sanft anzweifeln, aber
der historische Hintergrund der Nationalen Sozialisten Deutschlands (NSDAP) ist
schon interessant.
Die Werbesujets sind wirklich gut gemacht und greifen einen hohen Nutzwert auf,
danke für diese interessante Veröffentlichung.
lg