Wilfried Bauers wohl bekannteste Arbeit: Die Bavaria Buche (GEO 1980)
Vor vier Jahren, am 5. Dezember 2005, nahm sich der Hamburger Ausnahmefotograf Wilfried Bauer das Leben. Der 61-Jährige zündete seine Wohnung mit seinem Fotoarchiv – einige Zehntausend Papierabzüge und Negative – an, ehe er sich aus dem vierten Stock seiner Wohnung im Hamburger Stadtteil St. Georg in die Tiefe stürzte. Bauer, der einstige Starfotograf, hatte kapituliert.
Der aufwändigen Hintergrundfotografie war die kommerzielle Hochglanzbilderflut gefolgt, die die Welt blind gemacht hat für eine essayistische, subjektive Bildsprache wie die Bauers. Unerträglich für ihn, auch wirtschaftlich. Wilfried Bauer hatte sich dem Fotografen-Establishment stets entzogen, hochdotierte Auszeichnungen – etwa den Dr.-Erich-Salomon-Preis - abgelehnt, sich rar gemacht.
Er konnte sich das leisten. Später blieben die Aufträge aus. Am Ende verscherbelte Bauer seine Bilder für 30-Euro an Redaktionen – und er begann, Blumen zu fotografieren, eigentlich kein Thema für ihn, aber vielleicht Zeichen eines inneren Rückzugs, um sich selbst treu bleiben zu können.
GEO Fotostrecke Wilfried Bauers: Oderbruch. Stilles Glück am Strom (2005)
1974 hatte Bauers Aufstieg mit einer Reportage eines Schülerselbstmords – ‘Die Leiden des jungen K.’ – begonnen. Zwei Monate vor seinem Tod druckte der Schweizer ‘Sonntagsblick’ seine Bilder der Lorzentobelbrücken bei Zug, von denen sich binnen 15 Jahren knapp 50 Menschen zu Tode stürzten. Die Reportage “Und niemand hält sie auf” landete vor dem Schweizer Presserat. Lebensmüde könnten zur Nachahmung verleitet werden, so die Begründung. Da war Wilfried Bauer bereits tot.
Fotostrecke der letzten Arbeiten Wilfrieds Bauer in GEO: Hamburger Wildnis
Jürgen Schreiber hat für den Tagesspiegel im Februar 2006 einen bewegenden Essay über den Tod des Fotografen Wilfried Bauer geschrieben, der auch Sinnbild für die Krise eines Mediums und einer ganzen Branche ist:
Was ist passiert, dass dem Ausnahmekönner der Tod weniger grausam vorkam als das, was er für sich noch erwartete? Dass er sein Testament im Handschuhfach des Autos deponierte, die Wohnung anzündete, um sein gesamtes Werk auszulöschen. In seiner sorgsam gehüteten (und doch bekannten Verlassenheit) quälten den Autodidakten Versagensängste, Bauer fühlte sich zuletzt bitter verkannt und nie genug geliebt. Sein Sprung vollendet in unübersehbarer Symbolik den erlittenen, beruflichen Absturz, eine lang in ihm angestaute Aggression, die sich gegen ihn selbst richtet.
Weitere Nachrufe auf Wilfried Bauer:
- F. C. Gundlach würdigt Bauer im Hamburger Abendblatt: Ein sensibler Einzelgänger.
- Michael Naumann schreibt zum Tod von Winfried Bauer in DIE ZEIT: Der Zornige.
- Jürgen Serke, der 1976 mit Bauer zusammen die ‘Stern’-Serie “Die verbrannten Dichter” gemacht hat, erinnert sich im März 2008 in der Welt an den Fotografen: Zeugen der Wahrheit


















“Düstere Weitwinkel schwarz/weiß Reportagen.
Mein Nachbar, den ich nie kennen lernte, aber dessen Balkon mir täglich gegenwärtig ist.
Der Fotograf, der unglaublich emotionale & düstere Fotostrecken im Stern hatte.
Eines meiner fotografischen Vorbilder. (…)”
Manueller Trackback: http://stgi.posterous.com/wilfried-bauer-der-ausnahmefotograf-marxblog