Anonymes Foucault-Bekenntnis auf Post Secret
Was man mit Foucault heute noch anfangen kann, habe ich mich vor einigen Monaten hier gefragt. Natürlich lässt sich Foucault nicht nur zu Fingerpuppen, Jute-Taschen, T-Shirts und anderem Merchandise-Krimskrams verarbeiten.
Zuvor aber nochmals zur Erinnerung: Mit dem Foucault-Lesen kann man gar nicht früh genug beginnen.
via Coffee & Kafka
Denn: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lesen wir Foucault.
Allerdings: Das mit dem Lesen ist heute so eine Sache. Macht aber nichts. Foucault ist seit 1989 in den Olymp der “Diskursivitätsbegründer” aufgestiegen, während im Gegenzug der gute, alte Karl Marx im Science Citation Index abgestürzt ist (hier das Beweisfoto).
Der Science Citation Index ist das Retweet des Wissenschaftsbetriebs. Und “Diskursivitätsbegründer” sind Autoren, deren Bücher sowieso kein Mensch liest, dafür aber jeder zitiert. In der Regel sind “Diskursivitätbegründer” tot und können deshalb in aller Ruhe in Lexika und Handbüchern eingesargt werden. Für Studenten gibt es Foucault natürlich auch als Comic. Lediglich die Ehre eines Büchleins “Foucault für Gestresste” (gewissermaßen der Sargdeckel) ist Foucault bisher versagt geblieben (Nietzsche ist ihm da voraus, aber auch schon länger tot).
Damit man auch richtig gut Bescheid weiß, und Michel Foucault nicht für den Erfinder des Foucaultschen Pendels hält (auch wenn der Eco-Roman nicht gerade zufällig um den Todestag Michel Foucaults herumkreist), gibt es hier noch ein Quiz. Dann ist man Foucault-Experte genug, um sich endlich die Frage zu stellen: Was damit anfangen?
Alternative 1: Besonders beliebt ist der Beruf des Foucault-Doppelgängers (Stichwort: “empirisch-transzendentale Dublette”).

Michael Pollan or Michael Foucault
Alternative 2: Man schreibt, so wie Christa Schmidt, einen Foucault-Roman, der am besten in der Berliner Sadomaso-Szene spielt und dessen Titel man *augenzwinker* *augenzwinker* Nietzsches Zarathustra entnimmt. Foucaults Alter ego muss natürlich in Kreuzberg wohnen. Wem das zu dämlich ist, versucht es mit einer bedeutungsschwangeren, verschachtelten Liebesgeschichte und tauft sie, wie Patricia Duncker, dann “Hallucinating Foucault“ oder so ähnlich.
Alternative 3: Foucault selbst hat das Leben als Kunstwerk definiert. Was liegt also näher, als aus Foucault Kunst zu machen. Thomas Hirschhorn erklärt hier (zusammen mit Daniel Defert) in 16 Thesen, warum es für seine 24-Stunden-Installation ausgerechnet Michel Foucault sein musste. Und hier dann Hirschhorns ehrliches Bekenntnis: “Concerning Foucault, I do not understand his philosophy, and I think that I don’t have to understand philosophy in general. [...] But I want to confront, fight and be affected by philosophy in general, and I love Foucault’s refusal to speak for the other.”
Es kann aber auch Kunst sein, Foucault als fünf Meter großen Pappkameraden auf einen Berg zu schleppen. Zumindest wenn sich unten am Berg ein Gefängnis befindet wie im österreichischen Krems. “Foucault, Vorreiter des modernen Überwachungsstaates, beobachtet Überwachte und wird dabei beobachtet”, wurde vorab in der Pressemitteilung erklärt. Die ihre Runden drehenden Gefängnisbewohner juckte das von Leopold Kessler veranstaltete Kunstspektakel “Hofgang mit Foucault” allerdings wenig. Erst als der pyrotechnisch aufgepimpte Philosoph zu dampfen begann, wurde zurückgeschaut, beobachtete der Standard.
Aber vielleicht startet man seine Laufbahn als Foucault-Künstler besser erst einmal mit ein paar Illustrationen. Auf Flickr, zum Beispiel, hat Sub-H Foucaults 74/75-er Vorlesung “Die Anormalen” illustriert.
Sub-H: Los Anormales / Michel Foucault
Alternative 4: Filmemacher. Vorbild könnte der Animationsfilm “Nothing is Fundamental” von Victor Bellomo and David Pace sein: “Michel Foucault sings his philosophy through a surreal collage landscape.”
Das sechsminütige Mini-Foucault-Musical ist Teil einer Reihe von Philosophen-Musicals. “The Spirit of Gravity” ist Friedrich Nietzsche gewidmet.
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