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Foucaults Heterotopien

„Unsere Zeit ließe sich dagegen eher als Zeitalter des Raumes begreifen. Wir leben im Zeitalter der Gleichzeitigkeit, des Aneinanderreihens, des Nahen und Fernen, des Nebeneinander und des Zerstreuten. Die Welt wird heute nicht so sehr als ein großes Lebewesen verstanden, das sich in der Zeit entwickelt, sondern als ein Netz, dessen Stränge sich kreuzen und Punkte verbinden.” – Michel Foucault [1]

Heterotopie

Der Begriff ‘Heterotopie’ bezeichnet in der Medizin funktionelles Gewebe, das sich nicht an der anatomisch üblichen Lokalisation befindet. Bei Michel Foucault sind ‘Heterotopien’ räumliche Herausforderungen der gesellschaftlichen Ordnung. Sie setzen sich nicht allein aus realen räumlichen Gegebenheiten, sondern auch aus etablierten Zuschreibungen zusammen:

“Wir leben nicht in einem leeren, neutralen Raum. Wir leben, wir sterben und wir lieben nicht auf einem rechteckigen Blatt Papiert. Wir leben, wir sterben und wir lieben in einem gegliederten, vielfach unterteilten Raum mit hellen und dunklen Bereichen, mit unterschiedlichen Ebenen, Stufen, Vertiefungen und Vorsprüngen, mit harten und mit weichen, leicht zu durchdringenden, porösen Gebieten. Es gibt Durchgangszonen wie Straßen, Eisenbahnzüge oder Untergrundbahnen. Es gibt offene Ruheplätze wie Cafés, Kinos, Strände oder Hotels. Und es gibt schließlich geschlossene Bereiche der Ruhe und des Zuhause. Unter all diesen Orten gibt es nun solche, die vollkommen anders sind als die übrigen. Orte, die sich allen anderen widersetzen, neutralisieren oder reinigen sollen. Es sind gleichsam Gegenräume.” [2]

„Wenn man bedenkt, dass Schiffen lezztlich ein Stück schwimmenden Raumes sind, Orte ohne Ort, ganz auf sich selbst angewiesen, in sich geschlossen und zugleich dem endlosen Meer ausgeliefert, die von Hafen zu Hafen, von Wache zu Wache, von Freudenhaus zu Freudenhaus bis in die Kolonien fahren, um das Kostbarste zu holen, was die Gärten dort zu bieten haben, dann werden Sie verstehen, warum das Schiff für unsere Zivilisation vom 16. Jahrhundert bis heute nicht nur das wichtigste Instrument zur wirtschaftlichen Entwicklung gewesen ist, sondern auch das größte Reservoir für die Fantasie. Das Schiff ist die Heterotopie par excellence. In den Zivilisationen, die keine Schiffe haben versiegen die Träume. An die Stelle des Abenteuers tritt dort die Bespitzelung und an die Stelle der Freibeuter die Polizei.” [3]

[1] Von anderen Räumen 1967 [1984], in: Schriften, Bd. 4, S.931.
[2] Die Heterotopien / Der utopische Körper –  Zwei Radiovorträge 1966 [2005], S.9-10.
[3] Von anderen Räumen 1967 [1984], in: Schriften, Bd. 4, S.942.

Noch ein Link: Auf Daily Kos ist heute ein lesenswerter Beitrag Technologies of  Foucault erschienen.

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