Längst vergessen: Als Foucault die Haare noch offen trug (Uppsala 1955)
“Was liegt daran, wer spricht?” Mit einem Beckett-Zitat begann Michel Foucault 1969 seinen Vortrag “Was ist ein Autor?” Die junge Frau Hegemann (oder ihre Lektorin) hatte kürzlich Zuflucht bei Barthes und Foucault gesucht, um ihren Textklau mit irgendeinem Tod-des-Autors-Gefasel zu rechtfertigen. Das ist natürlich Unsinn, illustriert aber den CTRL-Verlust des Autors (hier Foucault, der nie die Existenz des Autors bezweifelt hat) über seinen Text.
Marx hat ja auch nie zur Revolution aufgerufen, war noch nicht einmal Antikapitalist (sondern spekulierte begeistert an der Londoner Börse). Und Nietzsches Satz “Gott ist tot” (womit er die christlich-moralisierende Gottesvorstellung meinte) ist Anwärter auf die am häufigsten missverstandenen drei Wörter. “Diskursivitätsbegründer” hat Foucault jene Autoren genannt, die jeder kennt, keiner gelesen hat, die aber ständig häppchenweise zitiert werden, um jeglichen Unfug zu “autorisieren”.
Im Jahr 26 nach seinem Tod (Foucault starb am 25. Juni 1984) ist Foucault nicht nur der am meisten zitierte Autor der Geistes- und Sozialwissenschaften, sondern muss inzwischen auch am häufigsten seinen Kopf hinhalten. Foucault selbst hat sich nicht lange mit der Deutsch-Leistungskurs-Frage “Was will der Autor uns sagen?” aufgehalten. Er fand es interessanter, den Gebrauch von Gesagtem und Getextetem zu untersuchen.
Wozu ist Foucault also heute noch zu gebrauchen? Der Frage bin ich schon hier und hier nachgegangen. Zu Foucaults heutigem Todestag nun also eine Fortsetzung:
Foucault ist schuld an Facebook!
Foucault-Flakes
Foucault-Puppentheater
Foucault-Teddybär
Foucaults Simpsoniana
Foucault-Fußballtrikot
Foucault-Zahnseidenwerbung
Handgemalte Foucault-Brosche für Häkeldeckchen-Freaks
Foucault-Babylätzchen
Foucault als Kulturgut
Was dem Baby der Brei, ist dem Bildungsbürger die Kultur. Der Suhrkamp-Verlag hat Foucault recht hübsch fürs Bücherregal im Wohnzimmer aufbereitet Und natürlich gibt’s Foucault auch als Romanvorlage, Kunstwerk und Museumsausstellung (mehr hier).
Foucault-Popsong
Der Song von den Weakerthans heißt “Our Retired Explorer (Dines With Michel Foucault In Paris, 1961)”. Warum auch immer. Vielleicht weil es in einer Zeile heißt: “Ja, ein Pinguin brachte mir wieder Französisch bei.” Allerdings gibt es dafür ein Buch von Derrida und nicht von Foucault.
Link-Tipp:
- Immanencia – Foucault in memoriam 2010
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