Gestern 22:30. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wendet sich nach dem “einmaligen Kraftakt” (vulgo Sparpaket) der Regierungskoalition via Facebook und Twitter an das Volk: “Ich habe als Abgeordnete aus voller Überzeugung der Schuldenbremse zugestimmt. Dann muss ich mich jetzt auch am Sparen beteiligen.” Auf Facebook gefällt das 26 32 Leuten. “Natürlich ist die Elterngeldstreichung für Hartz IV-Empfänger hart.” Immerhin gefällt das noch 5 Leuten. Und dann:
Das gefällt jetzt nur noch 2 3 Leuten. Und das ist bedenklich angesichts der Tatsache, dass selbst jede von einem Politiker verspeiste Bratwurst mindestens ein Dutzend Facebook-Beklatscher findet. Auf Twitter hingegen bricht nun ein Shitstorm gegen die “Oberschichtentweets” der Ministerin los. Eine kleine Auswahl:
- Sven Przepiorka ist Social Media Berater von Kristina Schröder. Hier sein Bericht über die Social Media Strategie und Aktivitäten der Bundesministerin.
- Danke an Heiko Lange vom lebewesen-blog für den Hinweis auf das SZ Video-Interview mit Familienministerin Schröder: “Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger war systemwidrig“.
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[...] viele (und auch mich – das marx-blog dokumentiert einige Reaktionen auf Twitter) an diesem Tweet aber so wütend macht, ist seine Haltung gegenüber den Betroffenen, die sich als [...]
auf sueddeutsche.de gibt es noch ein Video in dem sie die aussage noch mal wiederholt plus ein zwei Zusatzinfos von ihr. Für mich ist die Frau jeglichen Bezug zur Realität verloren
http://sueddeutsche.de/politik/familienministerin-schroeder-im-video-interview-elterngeld-fuer-hartz-iv-empfaenger-war-systemwidrig-1.955098
“Ebenso muß zugestanden werden, daß immer dort, wo von dieser Gleichheit abgegangen wird, wir den Armen mehr an Bedürfnisbefriedigung rauben, als wir den Reichen hinzufügen, und daß der törichte Genuß einer frivolen Eitelkeit eines einzigen Individuums häufig mehr kostet als das Brot vieler Familien, ja ganzer Landstriche.”
Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral (3.Abschnitt/2.Teil)
[...] Jörg Marx hat den Shitstorm schonmal ganz gut eingefangen. Wer Lust hat kann ja einfach mal nach @kristinakoehler suchen. [...]
Hallo Jörg,
ich verstehe nicht so ganz warum Du das bedenklich findest dass Kristina Köhlers letzter Tweet nur noch zwei Leuten gefällt.
Mir persönlich gefällt er auch nicht. Warum? Weil mit solchen Aussagen wie der von Frau Köhler bewusst die Bevölkerung (oder soll man es beim Namen nennen:”Die Unterschicht”) durch das Schüren von Neid gespalten wird. Ich kann und will nicht beurteilen wer “zu Recht” von Hartz IV lebt und wer nicht. Aber 1885€ sind für eine Familie mit zwei Kindern definitiv zu wenig. Ich verdiene als Krankenpfleger netto etwas mehr als 1900€ und könnte damit eine 4köpfige Familie + 1 Katze
nicht ernähren. Und nein, ich schaue nicht neidisch auf Leute mit Hartz IV, weil ich nicht das jeweilige Schicksal kenne.
Andererseits kann man Frau Köhler eine gewisse Raffinesse nicht absprechen. Da die Bevölkerung mit Neidgefühlen gefüttert wird ist sie damit beschäftigt sich gegenseitig zu zerfleischen (oder in Gleichgültigkeit/Resignation zu versinken) statt eine starke Opposition gegen diese Regierung zu bilden.
Joachim
Lieber Joachim, ist das Netz wirklich so ironiefrei, dass ich jede Ironie mit einem kindischen Smiley kennzeichnen muss
Informieren hilft. Z.B. über Wikipedia:
“Der Grund für die Einführung (des Elterngelds) bestehe jedoch nach Angela Merkel weniger darin, ‘dass auch Väter sich einmal um kleine Kinder kümmern können.’ Es solle mit dem Elterngeld unter anderem die Kinderzahl von Akademikern und Akademikerinnen erhöht werden. … Da das europäische Familienmodell kulturell auf ökonomischer Unabhängigkeit von der Herkunftsfamilie basiert, wird das Wiedereingehen ökonomischer Abhängigkeiten (vom aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Partner) sowie der deutliche Einbruch des Einkommensniveaus als unangenehm erlebt. Der Achterbahn-Effekt gilt demnach als zentraler Grund für die geringe Geburtenrate von ‘Hochqualifizierten’, bei denen dieser Effekt besonders deutlich zu Buche schlägt.”
Wenn Schröder schlau gewesen wäre, hätte sie die Maßnahme als “Förderung des allgemeinen Bildungsniveaus” verkauft. So ist es eine Bevorzugung der (Besser-)Verdiener, die sich bitte vermehren sollen, während die da unten sich lieber sterilisieren lassen sollten, damit die in Ihrem Elend nich noch das Kinderkriegen als Einkommensersatzmodell betreiben.
Die Lösung wäre, den HartzIV-Empfängern das Elterngeld zu zahlen, solange sie keine Kinder haben, es aber zu streichen, wenn sie Kinder bekommen
Wird noch spaßig werden in den nächsten Jahren.
[...] Familienministerin gibt auf Twitter die Marie Antoinette [...]
Shitstorm für Kristina Köhler…
Auslöser war dieser Tweet von gestern Abend: Auf dem http://marx-blog.de/2010/06/familienministerin-gibt-auf-twitter-die-marie-antoinette/ sind einige Reaktionen dokumentiert: Gestern 22:30. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wendet sich……
@ Jörg: Eindeutig ja!
[...] nahm. Die ganze Geschichte und einige Antworten auf Frau Schröders Definition von Gerechtigkeit hat Jörg Marx dokumentiert.„Gerechtigkeit“ ist mit Sicherheit eine hin und wieder schwierig zu bestimmende Größe [...]
Ich denke Frau Schröder sollte sich mal mit Herrn Lammert unterhalten. Der sieht nämlich das Image der Politik gefährdet und Frau von der Leyen möchte ihres schon mit 1,6 Mio aufpolieren. Sicher findet Frau Schröder mit den beiden Kollegen eine Lösung um noch wo zu sparen, damit ihr rampuniertes Image durch einige Spindoctoren in neuem Glanz erstrahlen kann. Im Übrigen ist das Sparpaket ein Sparpaketchen. Umgesetzt ist davon nämlich noch nix. Da holen sich einige der Kollegen sicher noch blutie Nasen.Spannedn bleibt es allemal
Die Frage, die Frau Dr. Schröder stellt ist mehr als berechtigt, nur bei der Lösung dieses Gerechtigkeitsproblems hat Schwarz-Gelb bei 50% Gewinnchance die falsche erwischt.
so bestellt man heute artikel in der bild-zeitung.
.~.
[...] den Tweet über die verwöhnten Hartz IV-Empfänger bekommt Kristina Schröder gerade heftigen Gegenwind im Netz. Obwohl ihr "witziger" Tweet über Schwule auch nicht schlecht [...]
[...] Familienministerin gibt auf Twitter die Marie Antoinette Radikaler Shitstorm gegen die “Oberschichtentweets” von Familienministerin Kristina Köhler Schröder, den sie sich redlich verdient hat. [...]
Hallo Jörg,
natürlich ist das Internet nicht ironiefrei und Du musst natürlich auch nicht extra Ironietags einbauen, aber das Internet bleibt halt ein eindimensionales Medium, da kann zumindest ich nicht immer jede Nuance aufspüren :-/
Grüßle,
Joachim
<< Aber 1885€ sind für eine Familie mit zwei Kindern definitiv zu wenig. <<
Allgemein ist das zum Teil ein Vergleich zwischen Äpfel mit Birnen, da die Unterkunftkosten vom Staat bezahlt werden (direkt, die HartzIVler bekommen das Geld gar nicht die Hand) und somit in keinem Betrag enthalten sind.
Dann hat es stark damit zu tun, wo einer lebt.
Die Lebenshaltungskosten sind in Deutschland nur bedingt vergleichbar.
Daher haben viele arbeitende Familien weniger als HartIV-Familien, dass heißt aber nicht, dass sie weniger bekommen sollen, da Kinder mehr Geld benötigen, ob das mit Elterngeld sinnvoll ist, halte ich aber für bedenklich. Aber die Familienzuwendungen müssen ja wegen dem Gerichturteil eh überprüft werden und hier wird es eine Erhöhung geben müssen, für alle Kinder und nicht nur für Babys.
[...] Steuererhöhungen kategorisch ablehnt, auch beispielsweise die christliche Familienministerin Christina Köhler zeigt, wie sehr ihr das Wohlergehen von Familien am Herzen liegt. Und als sei das alles noch nicht genug, wird schon kräftig Lobby dafür gemacht, die [...]
die gute frau köhler soll mal pierre bourdieu lesen (oder sich den film: ’soziologie ist ein kampfsport’ anschaun).
das empfehle ich auch noch anderen politikern.
[...] sie Steuererhöhungen kategorisch ablehnt, auch beispielsweise die christliche Familienministerin Christina Köhler zeigt, wie sehr ihr das Wohlergehen von Familien am Herzen liegt. Und als sei das alles noch nicht genug, wird schon kräftig Lobby dafür gemacht, die Mittel für [...]
Ich muss zugeben, dass mich twitter bisher null interessierte. Schön zu sehen, dass es gut als Fettnäpfchen (resp. Riesenschmalzbottich) funktionieren kann. Danke für dieDokumentation dieses unsäglichen tweets.
Allerdings stören mich zwei Sachen an dem shitstorm: erstens der Name und zweitens, dass dabei die Strassen leer bleiben bzw. weiter ungehindert von Autos benutzt werden, die Menschen sitzen alle schön vor ihren Bildschirmen und regen sich dort auf, das freut bestimmt auch die hippe Familienministerin….
BoleB da haben Sie volkommen Recht. Wie wäre es mal mit einem politischen Generalstreik wie in Greichenland und bald auch in Spanien meine Damen und Herren?
@BoleB: Wann hat denn das letzte Mal “auf die Straße gehen” was gebracht? Da hab ich ja schon eher Veränderungen gesehen, wenns im Netz ordentlich gebrodelt hat.
Als wenn physische Präsenz auf der Straße irgendeinen Vorteil hätte. Vielleicht war das mal so, heute ist es nicht mehr so. Das ist mein Eindruck – vielleicht kenne ich nicht genug Fälle, lasse mich daher gern berichtigen.
@Falk D: Es geht weniger darum die Geldmenge zu hoch ist, eher um die Argumentation von Frau Schröder. Ein “1885€ sind zuviel, weil man zum Leben weniger braucht” hat einen ganz anderen Beigeschmack als “1885€ sind zuviel, weil es ungerecht gegenüber Arbeitern ist”. IMHO gehts bei diesem Geld ja darum, Leben zu erhalten und nicht Gerechtigkeit gegenüber Arbeitern zu symbolisieren.
…
wenn minister twittern……
@laZee
kommt ganz drauf an, was dum mit “was gebracht” meinst.
Wenn einfach die Demonstration von Zustimmung (bzw. Ablehnung) schon dazu zählt, dann fängt das bei so simplen Dingen wie tausende Leute empfangen das Phänomen Lena in Hannover an und geht bis zu Protesten gegen den Wahlausgang im Iran.
Wenn du eine konkrete Wirkung/Veränderung meinst, dann fängt das bei solchen Sachen wie Iran an und geht bis zu der (bisher einzigen gelungenen) Revolution in Deutschland 1989.
Alles im Prinzip noch nicht solange her.
Die physische Präsenz sollte nicht unterschätzt werden, ebenso wie die Vereinzelung und Subjektivierung durch “das Netz”. Es geht um sinnvolles Miteinander verschiedener Techniken und nicht um “Demonstrationen sind ja so ein alter Hut, da klicke ich lieber den like-button bei einer facebook-group” – was nebenbei natürlich auch viel weniger anstrengend ist. Trotz visueller Medien wie Kino und Fernsehen existiert ja auch das Radio noch.
Zu guter letzt: ja, auch meine letzte Demonstrationsteilnahme ist schon ne Weile her, ich gebe es zu. Weil auch ich meine Zweifel habe, dass eine (!) Demo was ändern würde. Was ich sagen wollte ist, dass eine Bewegung mehr braucht als vor Monitoren rumzusitzen und sich werweisswiekluge Gedanken zu machen.
[...] auch immer, die Reaktionen sind schon heftig. Da die Maßnahmen dieser Regierung es allerdings offenkundig ebenfalls waren, [...]
[...] Querblog, Marx-Blog, Spreeblick :Asozial, Bundesfamilienministerin, Elterngeld, Fail, Idiotie, Kristina Schröder, [...]
Eigentlich gibt Frau Dr. Schröder einen guten Denkanstoß in Richtung gesetzlich garantierte Mindestlöhne.
Irgendwie kann ich nicht einsehen, warum die Löhne in vielen Berufsgruppen so gering sind, und die Regierung eine Mindestlohnfestsetzung weiterhin vermeidet.
Zweimal Unrecht macht ja noch keine Gerechtigkeit!
Als Kinderpsychologin kenne ich viele Familien, wo ein alleinerziehender Elternteil 8 Stunden täglich in völlig unterbezahlten Jobs arbeitet, die Familie dennoch ALG II beziehen MUSS, die Kinder so lange im Kinderhort, sozialpädagogischen Tagesstätten etc. untergebracht sind (und auch entsprechende Störungsbilder wie Depression, Angst entwickeln, aber oft auch mangelernährt sind. Hier wären eigentlich auch mal die Kinderärzte und Jugendämter gefragt, dazu Stellung zu beziehen!).
Einen “Anreiz” für die Jobaufnahme brauchen diese Eltern nicht (sie arbeiten ja), verdienen aber halt leider nicht genug.
Wenn die regierung sparen will, kann sie ja mal lesen, was der “Bund der Steuerzahler” bzgl. der Verschleuderung von Steuergeldern aufdeckt (das wird jährlich veröffentlicht, und geht in die Milliarden), hier sehe ich gutes Sparpotential!
[...] unsere Familienministerin sich bei Twitter äußerst “unglücklich” zum Thema Hartz IV geäußert hat, läuft im Netz gerade die Mem-Maschinerie [...]
Da Websites zur sozialen Vernetzung spielt eine wichtige Rolle in der Öffentlichkeit, die meisten der celebrties erstellt Twitter, Facebook und anderen Konten teilen ihre Gedanken inorder sie schnell zu erreichen.
[...] Frage, dass so ein Spruch sehr gut ankommt. Gerade wenn die Dame Hartz-IV-Müttern das Elterngeld streicht und es Akademikern zuschiebt. [...]
[...] Kollege Andrian Kreye lädt das Berliner Personal ins Internet ein – aus Anlass der aktuellen Debatte um unsere Familienministerin und deren [...]
Sozialgerechtigkeit wird/kann es nie geben.